Ba Gua in München – Tai Ji in München – Qi Gong in München

Interview mit Angelika Fritz

Kannst Du Dich bitte kurz vorstellen?

OK. Wo soll ich anfangen? Also, ich bin 1964, im Jahre des Holzdrachen geboren.

Und eigentlich deutete sich zum ersten Mal in meinem Leben an, daß die Dinge sich in Richtung Innere Kampfkünste oder überhaupt innere Wege entwickeln würden als ich – recht unüblich früh wahrscheinlich – mit 13/14 Jahren bereits Kung Zi (Kung tse, Konfuzius) und Lao Zi (Lao tse) las, wobei mich letzterer um Längen mehr beeindruckte. Es folgten in den nächsten Jahre ein durchaus echtes Studium von YiJing (I Ging), Buddhismus, Hinduismus, Shamanismus, sowie allgemein Mythologie, Magie und Mystik aller Völker, über die ich etwas finden konnte. Außerdem interessierte mich das europäische Rittertum, Fantasy, speziell Tolkien´s Herr der Ringe, alte Waffen und heroische Kämpfer. Naja, eben auch richtige Jungeninteressen, wie im Wald sein, sich lange Haselnußstecken abschneiden und sich „duellieren“. Das zelebrierten meine Kumpels und ich zuweilen schon so wild, daß wir von anderen regelrecht für verrückt erklärt wurden.

Weiterlesen

BaGuaZhang – Die Offene Hand der Acht Himmelszeichen

BaGua bedeutet etwa acht Orakelzeichen oder Himmelszeichen und bezieht sich auf die acht Trigramme des Yi Ching, des uralten Klassikers der Wandlungen in dessen 64 Hexagrammen nach alter Überlieferung die ganze Welt ihre Darstellung findet.

Zhang ist die offene Hand oder die Handfläche. BaGuaZhang ist also in etwa die offenen Hände oder die Offene Hand der Acht Himmelszeichen – Himmel, Erde, Sonne, Mond, Donner, See, Berg und Wind.

Während diese im TaiJIQuan auch eine gewisse Rolle spielen, dort aber der dauernde Wechsel von Yin und Yang stärker betont wird. Ist es im BaGua fast umgekehrt. Der Wechsel von Yin und Yang spielt natürlich auch hier eine Rolle. Denn dieser ist universelle Realität. Und der ewige Fluß der Bewegung fließt immer zwischen den Polen von Fülle und Leere, Anspannung und Entspannung, Ladung und Entladung.

Dazu ist BaGuaZhang aber fast vollständig um die acht herum konstruiert. Zwar mag das nicht immer so gewesen sein. Zunächst nannte der historische Begründer DongHaiChuan sein Kind schlicht ZhuanZhang (drehende oder wendende Hände). Heute aber ist die Acht fast überall prädominant:

Acht Richtungen, Acht Kreisschritte, Acht grundsätzliche Handformen, Acht Kicktechniken, Acht Handwechsel, Acht Körperbereiche, Acht Tierformen (allerdings 12 im Gao-Stil) etc,etc,etc.

BaGuaZhang ist dadurch vielleicht die systematischste aller Inneren Künste.

BaGuaZhang-Schwester von TaiJiQuan-Königin der Inneren Künste

BaGuaZhang wird als Schwester von TaiJiQuan oder zuweilen gar als Königin der inneren Künste bezeichnet, was andeutet, daß eher der weibliche Aspekt betont wird. Auf jeden Fall scheint es, daß BaGuaZhang ursprüngliche für eher kleinere, leichtere Menschen geschaffen wurde. Die Bewegungen sind selten geradlinig, sondern folgen Kurven, Kreisen, Schlangenlinien und Spiralen, sind ausweichend, umgehend, verwirrend und überraschend.

Die Bewegungen sind anmutig und wunderschön anzuschauen!

Durch die nicht-lineare Grunddynamik ist BaGuaZhang daher eben auch für zartere Körper einsetzbar, die fehlende Körperkraft und Gewicht durch Geschwindigkeit, Wendigkeit, Flexibilität und das geschickte Einnehmen der besseren Position mehr als wettmachen können. Größere und Schwerere Menschen lernen hingegen durch BaGua ihre Grundschnelligkeit und Wendigkeit zu erhöhen.

Wegen der schnellen und überraschenden Fußarbeit, den schnellen Richtungswechseln und der Unberechenbarkeit der Kunst wird BaGuaZhang eben auch mit der Energie des Sturms oder Wirbelwinds verglichen.

Der Fokus ist immer auf dauernder Bewegung. Selbst, wenn wir meditativ, sanft und fließend üben, hören die Bewegungen nie auf, sondern fließen beständig ineinander. Man dreht sich, greift an, dreht sich weiter, kreist, wirbelt, spiralt weiter und weiter. Die Philosophie dabei ist, daß man nie da ist, wo der Gegner einen vermutet oder erwartet.

Und in der Tat: Wenn jemand schon etwas überhaupt jemals von BaGuaZhang gesehen oder gehört hat, dann ist es die Praxis des Kreislaufens, welche in der Tat das hervorstechendste Merkmal und einer der absoluten Schwerpunkte dieser Kunst ist. So werden nicht nur flinke Schritte, sondern auch Kicks, Timing, Balance und Struktur während des Wandelns um den Kreis geübt. Man entwickelt bewegliche Wurzeln.

Man gewinnt einen starken, flexiblen, blockadefreien Körper, authentische Sensibilität, eine fokussierten, unerschütterlichen Geist, sowie über allem das unverrückbare Bewußtsein seines eigenen Zentrums und seiner zentralen Natur,, welches unbestreitbar eines der unersetzlichsten Requisiten nicht nur einer jeden Kampfkunst, sondern eines jeden erleuchteten und erfüllten Lebens ist.